Trade Republic vs. Scalable Capital – Der große Broker-Vergleich
Wenn du als Einsteiger heute ein Depot eröffnen willst, kommst du an einer Frage kaum vorbei: Trade Republic oder Scalable Capital? Dieser Broker-Vergleich ist aktuell der Klassiker in der deutschen Finanz-Community. Beide versprechen null Kommissionen bei Aktien und ETFs, beide haben schicke Apps und beide werben massiv um neue Kunden. Aber welcher der beiden ist wirklich besser für deinen Vermögensaufbau? Ich habe beide ausgiebig getestet und zeige dir, wo die Stärken und Schwächen liegen. Ohne BWL-Geschwafel, geradeaus auf den Punkt.
Die Ausgangslage: Warum überhaupt diese beiden?
Früher war ein Depot eröffnen ein echter Albtraum. 10 Euro Ordergebühren bei der Hausbank, teure Aktiv- und Depotführungsentgelte und am Ende hast du am Jahr weniger Geld als davor. Heute glühen die Smartphones. Trade Republic und Scalable Capital haben den deutschen Markt für Privatanleger komplett aufgerollt.
Beide sind sogenannte Neobroker. Keine Filialen, kein teures Personal, alles app-basiert. Das Geschäftsmodell ist simpel: Sie verdienen an den Margin-Zinsen, dem Payment for Order Flow (also daran, dass sie Orders an Börsen weiterleiten und dafür einen Kickback bekommen) und an Premium-Abos. Das macht sie extrem günstig. Aber billig heißt nicht automatisch besser für dich. Es gibt Unterschiede, die über Jahre hinweg Tausende Euro ausmachen können.
Gebühren und Kosten: Wo bleibt mein Geld?
Hier wird es direkt spannend. Beide werben mit "Zero Commission", aber das Kleingedruckte ist extrem wichtig. Denn Gebühren fressen deine Rendite. Jeder Euro, den du für den Kauf bezahlst, fehlt beim Zinseszins.
Trade Republic
Trade Republic hat ein simples Preismodell. Eine Order kostet immer 1 Euro Fremdkostenpauschale. Egal, ob du für 50 Euro oder 50.000 Euro Aktien kaufst. Das wars. Keine versteckten Gebühren, keine Depotführungsentgelte.
- Aktien & ETFs: 1 Euro pro Trade
- Sparpläne: 0 Euro (komplett kostenlos)
- Krypto: 1 Euro pro Trade
- Derivate: 0 Euro (Open Order)
Dieses Modell ist für den Einsteiger extrem attraktiv. Du kannst für 25 Euro im Monat einen Welt-ETF besparen, ohne dass auch nur ein Cent an Gebühren abgeht. Und wenn du mal spontan eine Aktie für 100 Euro kaufst, ist der 1-Euro-Aufschlag verschmerzbar.
Scalable Capital
Scalable Capital macht es etwas komplizierter, bietet dafür aber auch mehr Flexibilität bei der Ausführung. Es gibt zwei Modelle: Free Broker und Prime Broker.
- Free Broker: Limit-Orders bei Aktien und ETFs kosten 0 Euro. Market-Orders (sofortige Ausführung zum aktuellen Kurs) kosten 0,99 Euro.
- Prime Broker: Kostet 2,99 Euro im Monat. Dafür sind alle Trades (Limit und Market) 0 Euro, solange das Ordervolumen über 250 Euro liegt. Sparpläne bleiben auch hier 0 Euro.
Für den reinen Sparplan-Sparer ist das Free-Modell von Scalable kostenlos. Für aktive Trader, die oft Limit-Orders setzen, ist Scalable FreeBroker genial, weil sie bei Trade Republic immer 1 Euro zahlen müssten. Willst du aber Market-Orders ohne Gebühr, brauchst du das Prime-Abo.
Mein Fazit zu den Kosten: Wenn du nur Sparpläne machst, sind beide kostenlos. Kaufst du spontan Einzelaktien, ist Trade Republic mit 1 Euro immer kalkulierbar. Setzt du lieber Limit-Orders, gewinnt Scalable Capital im Free-Modell.
Produktangebot: Was kommt ins Depot?
Was nützt dir der billigste Broker, wenn er die ETFs nicht hat, die du willst? Hier schauen wir uns an, was du überhaupt handeln kannst.
Trade Republic bietet über 1,5 Millionen Produkte an. Das ist eine absurde Zahl. Riesige ETF-Auswahl (getrackt von HSBC, iShares, Xtrackers etc.), tausende Aktien aus aller Welt, unzählige Derivate und sogar Krypto. Ja, du kannst Bitcoin und Ethereum direkt in der App handeln. Das ist für viele Einsteiger ein riesiger Pluspunkt, auch wenn ich davon abrate, große Teile des Vermögens in Krypto zu stecken.
Scalable Capital hat ein ähnlich starkes Angebot bei Aktien und ETFs. Der große Unterschied: Scalable bietet selbst aufgelegte ETFs an, die sogenannten Scalable Capital ETFs. Die haben extrem niedrige laufende Kosten (TER) von teilweise unter 0,15 %. Wenn du das Prime-Abo hast, kannst du diese Scalable-ETFs sogar komplett gebührenfrei handeln. Krypto gibt es bei Scalable auch, aber aus regulatorischen Gründen in einer separaten App (Scalable Crypto). Ein kleiner Minuspunkt in der Usability, da du zwei Apps brauchst.
Mein Fazit zum Angebot: Beide haben alles, was du für einen klassischen Welt-Portfolio-Aufbau brauchst. Die eigenen ETFs von Scalable sind interessant für Kosten-Minimierer. Die direkte Krypto-Integration in der App gewinnt für mich Trade Republic.
Zinsen auf nicht investiertes Kapital (Stand: Juni 2026)
Dein Geld soll nicht ungenutzt auf dem Verrechnungskonto liegen. Dafür bieten Neobroker mittlerweile Zinsen auf Cash an.
Trade Republic zahlt aktuell 4,00 % p.a. auf nicht investiertes Kapital (bis 50.000 Euro). Das ist massiv. Das ist oft besser als jedes Tagesgeldkonto auf dem Markt. Du behältst die volle Flexibilität, das Geld jederzeit für Aktien zu nutzen.
Scalable Capital zahlt im Free Broker Modell ebenfalls 4,00 % p.a. (bis 100.000 Euro) und im Prime Broker sogar 4,25 % p.a. Scalable punktet hier deutlich, weil die Zinsgrenze bei 100.000 Euro liegt und Prime-Kunden einen kleinen Bonus bekommen.
Mein Fazit zu Zinsen: Scalable Capital gewinnt hier knapp wegen der höheren Einlagensicherungsgrenze und dem Prime-Bonus. Aber beide sind exzellent und schlagen jede Hausbank.
Das Depot und die App: Wie bedienbar ist das Ganze?
Ein Broker nützt dir nichts, wenn die App dich verwirrt. Du willst dein Depot schnell checken, einen ETF kaufen und weiteratmen.
Trade Republic hat eine extrem minimalistische App. Fast schon zu minimalistisch für manche Profis. Du siehst dein Depot, deine Positionen, die Entwicklung und kannst kaufen. Wenig Schnickschnack, keine komplexen Chart-Analyse-Tools. Für den Einsteiger ist das perfekt. Du wirst nicht vonInformationen erschlagen. ABER: Es gibt keine Watchlist und keine Limit-Orders bei Sparplänen (Stand heute ein großer Kritikpunkt). Der Sparplan wird immer zum Stichtagskurs (Market-Order) ausgeführt.
Scalable Capital ist etwas professioneller geraten. Die App bietet mehr Chart-Optionen, du kannst Limit-Orders auch für Sparpläne setzen (ein riesiger Vorteil!) und es gibt eine Watchlist. Dafür ist die App auch etwas unübersichtlicher, besonders wenn man die Prime Broker Features nutzt und zwischen den Abo-Modellen wechselt.
Mein Fazit zur App: Für den absoluten Anfänger ist Trade Republic intuitiver. Für jemanden, der etwas mehr Kontrolle und vor allem Limit-Orders bei Sparplänen will, ist Scalable Capital die bessere Wahl.
Steuern und Abrechnung: Der nervige Teil
Niemand redet gerne über Steuern, aber bei Kapitalerträgen führt kein Weg daran vorbei. Seit der Abgeltungsteuer in Deutschland ist das ein Minenfeld.
Beide Broker nehmen dir die Arbeit mit der Steuer ab. Sie behalten die Quellensteuer, rechnen Freistellungsaufträge ab und erstellen die Anlage KAP für die Steuererklärung. Das funktioniert bei beiden reibungslos.
Ein Unterschied: Bei Trade Republic ist die Steuerabrechnung in der App manchmal etwas versteckt und unübersichtlich dargestellt. Scalable Capital liefert hier im PDF-Format und in der Darstellung etwas sauberere Dokumente, was besonders am Jahresende für die Steuererklärung hilfreich ist. Beide bieten aber den Export für Steuer-Software an.
Sicherheit: Was ist bei einer Insolvenz?
Viele haben Angst: "Was passiert mit meinen Aktien, wenn der Neobroker pleite geht?" Ganz einfach: Die Aktien gehören dir. Sie liegen nicht beim Broker, sondern bei der Verwahrbank (Depotbank). Der Broker ist nur der Türsteher.
Bei Trade Republic ist die Depotbank die HSBC Germany. Bei Scalable Capital ist es die Baader Bank. Beide sind massiv reguliert. Sollte der Broker insolvent gehen, hast du weiterhin Zugriff auf dein Depot über die Depotbank. Dein Geld ist sicher.
Was die Einlagensicherung für das Cash auf dem Verrechnungskonto angeht: Trade Republic ist in Irland lizenziert (irische Einlagensicherung bis 20.000 Euro, plus freiwilliger Fonds bis 100.000 Euro). Scalable Capital ist in Deutschland lizenziert (gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro über den EdV). Hier hat Scalable einen leichten Heimatvorteil.
Meine Erfahrung: Ich selbst nutze...
Ich selbst habe bei beiden Brokern ein Depot. Warum? Weil ich Diversifikation auch bei der Infrastruktur mag. Ich will nicht alles auf eine App legen.
Aber meine Hauptlast trägt Trade Republic. Mein ETF-Sparplan für den Welt-Portfolio läuft dort. Die App ist so gnadenlos einfach, dass ich sie aufmache, den Sparplan bestätige und das Handy wieder weglege. Die 1 Euro Gebühr für Einzelkäufe stören mich nicht, weil ich kein Daytrader bin. Ich kaufe ein, halte für Jahre, fertig.
Scalable Capital nutze ich für Experimente und Einzelaktien, bei denen ich genaue Limits setzen will. Die Scalable ETFs sind auch interessant, aber für meinen Haupt-Sparplan bleibe ich bei den Klassikern von Vanguard und iShares.
Für dich als Einsteiger ist die Entscheidung eigentlich simpel:
- Du willst es so einfach wie möglich, nur einen ETF-Sparplan aufsetzen und die App nie wieder öffnen? Nimm Trade Republic.
- Du willst Limit-Orders setzen, auf Kurse warten, vielleicht eigene Scalable-ETFs nutzen und hasst Market-Orders bei Sparplänen? Nimm Scalable Capital.
Beide sind exzellent. Beide zerstören die Gebührenstruktur deiner Hausbank. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Der wichtigste Schritt ist nicht, den perfekten Broker zu finden. Der wichtigste Schritt ist, überhaupt ein Depot zu eröffnen und den ersten Sparplan zu starten. Also mach es.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewaehr.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.