ING Depot vs. Neobroker - Was lohnt sich wirklich?
ING Depot vs. Neobroker - diese Entscheidung stellen sich aktuell tausende Anleger in Deutschland. Wenn du dein hart verdientes Geld an der Börse parken willst, kommst du nicht drumrum: Du brauchst ein Depot. Aber solltest du zur bewährten Direktbank gehen oder auf den hippen App-Broker vom Smartphone setzen? Die Antwort ist so simpel wie wichtig, aber die Details machen den Unterschied. Hier ist der ehrliche Vergleich ohne BWL-Geschwafel.
Die Ausgangslage in Deutschland: Tradition trifft Smartphone
Früher war alles einfach. Du bist zur Hausbank, hast ein Depot eröffnet und gut war's. Heute bist du als Privatanleger fast überfordert von der Auswahl an Brokern in Deutschland. Auf der einen Seite die etablierten Direktbanken wie die ING. Auf der anderen Seite die Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, die dir zero-commission-Trading auf dem Smartphone versprechen.
Beide Lager haben massive Vor- und Nachteile. Ein objektiver Vergleich ist extrem wichtig, damit du nicht am Ende mehr Gebühren zahlst als nötig und deine Rendite verfressen wird. Lass uns das mal ganz nüchtern aufrechnen.
Das ING Depot: Der bewährte Klassiker
Die ING ist für viele die erste Wahl, wenn es ums Girokonto geht. Logisch, dass man da auch das Depot aufmacht. Alles unter einem Dach. Aber lohnt sich das aus finanzieller Sicht wirklich?
Kosten und Gebühren beim ING Depot
Das ING Depot ist kostenlos in der Führung. Soweit so gut. Aber beim Kauf und Verkauf von Aktien und ETFs wird es spannend. Die ING berechnet orderbezogene Gebühren. Das Modell sieht aktuell so aus: 4,90 Euro Grundgebühr plus 0,25% vom Orderwert, maximal jedoch 69,90 Euro.
Kaufst du also ETFs für 1.000 Euro, zahlst du 4,90 Euro + 2,50 Euro = 7,40 Euro Gebühren. Kaufst du für 10.000 Euro, zahlst du 29,90 Euro. Das ist kein Pappenstiel. Gerade wenn du kleinere Beträge investierst, fressen diese prozentualen Gebühren massiv an deiner Rendite.
- Vorteil: Keine Depotführungsgebühren, transparente Preisstruktur.
- Nachteil: Hohe Ordergebühren, besonders bei kleinen Orderwerten extrem teuer.
Auswahl, Handel und Features
Was die ING extrem stark macht, ist die Auswahl. Du hast Zugriff auf alle großen Börsenplätze in Deutschland (Xetra, Frankfurt, Stuttgart etc.) und internationale Börsen wie NYSE oder Nasdaq. Du kannst Limit-Orders setzen, Stop-Loss-Marken definieren und bekommst alles, was das Trader-Herz begehrt.
Auch der Kundenservice ist hervorragend. Wenn mal ein Trade schiefgeht oder die Order nicht durchgeht, erreichst du jemanden am Telefon. Das ist ein riesiger Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz aus dem App-Store.
Die Neobroker: Trade Republic, Scalable Capital und Co.
Neobroker haben den Markt in Deutschland in den letzten Jahren komplett aufgerollt. Ihr Versprechen: Aktien und ETFs ab 1 Euro oder sogar null Euro Gebühren kaufen. Das klingt für jeden, der sein Depot aufbauen will, nach einem No-Brainer.
Wie die Neobroker Geld verdienen
Klingt zu gut um wahr zu sein? Irgendwie müssen die Jungs ja Geld verdienen, die sind keine Wohlfahrtsorganisation. Neobroker leiten deine Orders an bestimmte Handelsplätze (sogenannte Market Maker) weiter. Dafür bekommen sie eine Vergütung. Das nennt sich Payment for Order Flow. Zudem verdienen sie an den Zinsen, die sie auf nicht investiertes Guthaben auf deinen Verrechnungskonten bekommen.
Für dich als Anleger bleibt entscheidend: Der Preis stimmt. Ein Kauf über Trade Republic kostet dich aktuell 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Trade. Bei Scalable Capital im Free Broker Modell zahlst du 0,99 Euro. Im Prime Broker (für 2,99 Euro im Monat) sind die Trades auf Xetra sogar komplett kostenlos.
Auswahl, Usability und die Nachteile
Die Apps sind slick. Alles geht vom Smartphone aus. Du klickst zweimal und hast den MSCI World gekauft. Das ist genial für Anfänger.
Aber Achtung, hier kommen die Nachteile: Der Kundenservice ist oft eine Katastrophe. Wenn dein Account gesperrt wird oder eine Order fehlschlägt, drehst du dich im Support-Ticket-Kreislauf. Echte Telefon-Hotlines? Fehlanzeige.
Außerdem gibt es bei den Basis-Modellen oft nur einen einzigen Handelsplatz (z.B. Lang & Schwarz Exchange oder gettex). Das bedeutet, du hast keine echte Wahl, wo dein Trade ausgeführt wird. Das kann zu schlechteren Ausführungspreisen (Spreads) führen. Der 1 Euro Trade ist dann im Endeffekt teurer, weil du einen schlechteren Kurs bekommst.
Der direkte Vergleich: Wer gewinnt wo?
Lass uns das Ganze auf den Punkt bringen. Wenn es um den Vergleich zwischen ING und Neobrokern geht, kommt es massiv auf dein Anlageverhalten an.
Runde 1: Der ETF-Sparplan
Du willst jeden Monat 50 Euro in einen World ETF stecken? Hier gewinnen die Neobroker absolut. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind Sparpläne auf viele ETFs komplett kostenlos. Du investierst 50 Euro und es werden exakt 50 Euro in ETF-Anteile umgewandelt.
Bei der ING kostet dich ein ETF-Sparplan 0,25% Ausführungskommission. Macht bei 50 Euro zwar nur 12,50 Cent im Monat. Aber über 30 Jahre summiert sich das zu einem satten Betrag, der im Zinseszins fehlt. Bei 500 Euro im Monat sind es schon 1,25 Euro pro Ausführung. Da schmerzt es.
Sieger Sparplan: Neobroker
Runde 2: Der große Bulk-Kauf
Du hast 10.000 Euro auf der hohen Kante und willst auf einmal Aktien von Apple und Microsoft kaufen? Hier dreht sich das Blatt. Bei der ING zahlst du 4,90 Euro + 0,25% = 29,90 Euro. Bei Trade Republic 1 Euro. Hier gewinnt der Neobroker scheinbar mühelos.
Aber: Wenn du die Aktien an einer echten Börse wie Xetra handeln willst, weil du die besten Kurse und die höchste Liquidität brauchst, ist die ING die bessere Wahl. Neobroker handeln meist OTC (Over the Counter) oder an kleinen Börsen. Der Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) kann dort größer sein. Ein 0,1% schlechterer Kurs bei 10.000 Euro frisst sofort 10 Euro deines Gebührenvorteils wieder auf.
Sieger Einzelkauf: Neobroker bei kleinen Summen, ING bei sehr großen Summen und hoher Liquiditäts-Anforderung
Runde 3: Sicherheit und Einlagensicherung
Beide Lager sind sicher. Die ING hat die deutsche gesetzliche Einlagensicherung (100.000 Euro) plus die freiwillige Einlagensicherung des Bundesverbandes (1,2 Millionen Euro pro Kunde). Deine Kohle ist dort so sicher wie im Tresor der Bundesbank.
Neobroker haben ebenfalls die gesetzliche Einlagensicherung, aber die freiwilligen Fonds sind oft kleiner oder gar nicht vorhanden. Zudem sind deine Wertpapiere bei beiden Brokern getrennt vom Vermögen der Bank (Sondervermögen). Geht der Broker pleite, gehören die Aktien immer noch dir. Bei den Neobrokern sehe ich hier kein echtes Risiko, aber bei der ING schlafe ich einfach noch eine Spur ruhiger.
Sieger Sicherheit: ING (knapp, wegen höherer freiwilliger Einlagensicherung)
Meine persönliche Erfahrung: Ich selbst nutze beides
Ich selbst bin kein Fan von entweder-oder. Ich nutze sowohl ein ING Depot als auch einen Neobroker. Warum? Weil ich als Privatanleger verschiedene Bedürfnisse habe und die Werkzeuge passend einsetze.
Meine ETF-Sparpläne und kleinen Einzelkäufe laufen über Trade Republic. Null Gebühren, einfach am Wochenende auf dem Sofa im Bett einrichten, fertig. Das ist langweilig, aber langweilig macht reich. Ich will da nicht jeden Tag drüber nachdenken.
Aber wenn ich mal größere Einzelaktien-Positionen aufbauen will, oder wenn ich exotischere Wertpapiere brauche, die am Gettex-Handelsplatz nicht zu finden sind, dann logge ich mich in mein ING Depot ein. Der Kundenservice der ING hat mich noch nie im Stich gelassen. Bei Trade Republic habe ich schon mal ein ganzes Wochenende auf die Freischaltung meines Accounts gewartet, nachdem ich ein paar Dokumente updaten musste. Bei der ING geht sowas sofort per Telefon.
Diese Zweigleisigkeit ist für mich der beste Weg. Die Neobroker für den schnellen, günstigen Aufbau des Vermögens. Die ING als solides Fundament und Backup für komplexe Trades.
Fazit: Welches Depot ist das richtige für dich?
Der Clash ING Depot vs. Neobroker hat keinen absoluten Sieger. Es kommt auf dich an. Hier ist deine Entscheidungs-Hilfe:
- Du bist Einsteiger mit kleinem Budget? Nimm den Neobroker. Starte deine ETF-Sparpläne ohne Gebühren und lerne das Investieren cheap. Jeder Euro zählt am Anfang.
- Du willst alles bei einer Bank? Nimm die ING. Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld und Depot aus einer Hand. Der Preis dafür sind etwas höhere Ordergebühren, aber der Komfort ist unschlagbar.
- Du willst aktive Einzelaktien handeln? Vergleiche die Kurse. Bei kleinen Summen nimm den Neobroker, bei großen Summen oder speziellen Wünschen die ING.
- Du willst den besten Service? ING. Punkt.
Mach dir keinen Stress. Ein Depot ist heute schnell eröffnet und auch wieder gekündigt oder übertragen. Der wichtigste Schritt ist überhaupt erstmal anzufangen. Dein Geld auf dem Girokonto verliert sowieso jeden Tag an Kaufkraft durch die Inflation. Also: Depot eröffnen, reinlegen, wachsen lassen. Den Rest erledigt der Zinseszins für dich.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewaehr.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.